Junge Löwen im Käfig. Künstlergruppen der deutschsprachigen bildenden Künstler aus Böhmen, Mähren und Schlesien in der Zwischenkriegszeit
Mary Duras, Oblastní galerie Liberec, 12. 6. – 31. 8. 2014
Mary Duras, Galerie Klatovy / Klenová, 13. 6. – 30. 8. 2015
Erwin Müller, Oblastní galerie Liberec, 11. 9. – 16. 11. 2014
Na Sibiř!/Nach Sibirien!, Oblastní galerie Liberec, 8. 10. 2015 – 17. 1. 2016
Deutschböhmische Ausstellung Reichenberg 1906
Metznerbund Regionalgalerie Liberec
česky | deutsch
Německočeské umění | Deutschböhmische Kunst

Činnost libereck™ pobočky Metznerbundu Německo-české umění | Deutschböhmische Kunst Edler Wettstreit der beiden Völker
Johanes Watzal, Kugelstosserin, Bronze,
Höhe 68,5 cm, Privatsammlung. Foto Ivo Habán.

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"Edler Wettstreit der beiden Völker"

Die Anfänge der Tätigkeit der Reichenberger Kreisgruppe des Metznerbundes. Die Oktobergruppe und Erwin Müller

Anna Habánová


Regionalgalerie in Liberec / TU Liberec, Lehrstuhl für Geschichte

Umění/Art LIX, 2011, No. 5, S. 415-426.


Bei der Betrachtung der Geschichte des Künstlervereines Metznerbund, der in der Zwischenkriegszeit auf dem Gebiet Böhmens, Mährens und Schlesiens existierte und seiner Mitglieder tauchen zahlreiche Fragen auf, die wir hinsichtlich des Standes der Forschung bisher nicht befriedigend beantworten können. Welche Beziehung hatte der Metznerbund zu tschechischen Vereinen dieser Zeit? Welche Beziehung hatten die einzelnen Gruppen, die sich im Rahmen des Metznerbundes abgesondert haben zu der Mutterorganisation? In welchem Sinne war der Metznerbund wichtig für die tschechoslowakische Zwischenkriegskunst? Kann man politische, künstlerische oder persönliche Beziehungen nicht nur in der Tschechoslowakei, sondern auch in Deutschland beobachten? Wie soll man die vielfältige Qualität der einzelnen Vereinsmitglieder beurteilen, wenn es in den Anfängen keine künstlerische Jury für die Aufnahme gab? Und schließlich, welchen Einfluss haben eskalierende politische und nationale Gedanken vor allem der 1930er Jahre auf die heutige Beurteilung des Vereines und seiner einzelnen Mitglieder? Um die vorgelegten Fragen elementar beantworten zu können, müssen Recherchen der zeitgenössischen Presse durchgeführt werden und die vorliegende Studie kann als Einleitungsbeitrag zu dieser Problematik dienen.

Im März 2010 jährte sich die Gründung des Metznerbundes zum neunzigsten Mal. Die einzige Ausstellung, die sich mit einem Teil der Geschichte und dem Schaffen dieses Vereines beschäftigte, wurde in der Stadtgalerie MY in Gablonz an der Neiße vorbereitet.1

In der Zwischenkriegszeit war die Tätigkeit der deutsch-böhmischen bildenden Künstler mit den Aktivitäten mehrerer Organisationen verbunden. Im Raum Mähren war es der Mährische Kunstverein oder die Vereinigung deutscher bildenden Künstler Mährens und Schlesiens „Scholle“. Der Metznerbund wirkte im böhmischen und mährischen Raum. Neben diesen Gruppen mit größerer territorialer Geltung (geographisch begrenzt auf Böhmen, Mähren und Schlesien, da in der Slowakei die Tätigkeit dieser Vereine nicht belegt wurde) ist zum Beispiel die Tätigkeit des Vereines Thomabund in Böhmisch Kamnitz oder der Gruppen Ostrauer Kunstverein und Kunstring in Ostrau bekannt. In Brünn waren die Juryfreien tätig. Man kann auch die Existenz anderer örtlicher Kunstvereine, die einen kleineren Raum abdeckten, voraussetzen.2 Der Verein mit der größten territorialen Reichweite war der Metznerbund, der im März 1920 in Teplitz-Schönau gegründet wurde. Die Gründung dieser neuen Vereinigung wurde von Karl Krattner (1862–1926) initiiert. Aus seinen Aktivitäten entstand schon früher der Verein der deutschen bildenden Künstler in Böhmen,3 der Vorgänger des Deutsch-böhmischen Künstlerbundes.4 Aus dem Vergleich der Satzung des Künstler- und Metznerbundes5 ergibt sich, dass der Metznerbund in großem Maße an dessen Tätigkeit anknüpfte.6

In der kunstgeschichtlichen Forschung scheint die Existenz des Metznerbundes, seine Tätigkeit und Mitgliederbasis bekannt zu sein, allgemein werden in den Verein deutsch-böhmische Bildkünstler der Zwischenkriegstschechoslowakei einbezogen. Bei näherer Betrachtung dieser Problematik stellen wir fest, dass die Autoren einzelner Aufsätze, die meistens nicht den Umfang eines Wörterbucheintrages überschreiten, sich nicht einmal über das Gründungsdatum dieses Vereines einig sind.7 Im Jahre 2002 erfasste Soňa Mikulová die bis jetzt umfassendste Übersicht über die Geschichte und die Entwicklung des Metznerbundes zusammen mit kurzen Biographien einzelner Autoren. Den primären Impuls stellte für sie der Katalog der Jubiläumsausstellung im Jahre 1944 dar.8 In Deutschland beschäftigte sich mit diesem Thema Sigrid Canz, die eine Studie über die Gruppen im Rahmen des Metznerbundes im Sammelband Stifter Jahrbuch veröffentlichte.9 Das Haupthindernis der bisher fehlenden kritischen Auswertung der Tätigkeit des Vereines ist das Fehlen eines kompletten Archivmaterials.10 Die Forschungsbemühungen richten sich deshalb vor allem auf Informationen in zeitgenössischer Tagespresse und anderen gedruckten Quellen.



Die Anfänge des Metznerbundes und die Ziele seiner Reichenberger Zweigstelle: die Ausstellungshalle und die damit verbundenen Aktivitäten


Der Kunstverein Metznerbund definierte sich beim Entstehen in seiner Satzung als Verein deutscher Kunstschaffender in Böhmen und bemühte sich um Zusammenfassung aller in Böhmen wirkenden, daselbst geborenen oder zuständigen, jedoch außerhalb der Staats- oder Landesgrenzen tätigen, deutschen Kunstschaffenden, zwecks Förderung künstlerischer Ziele und wirtschaftlicher Fürsorge für seine Mitglieder. Es handelte sich um einen apolitischen Verband mit der Amtssprache Deutsch. Im Jahre 1920 wurden nach der Gründungsverhandlung in Teplitz-Schönau Kreisgruppen in Reichenberg, Gablonz, Teplitz, Eger, Prag und Krumau gegründet.11 Zu einem der Mittel zum Erreichen der festgesetzten Ziele sollten heimische und ausländische Ausstellungen von Werken der Bildkünste und Kunstgewerbe werden.12 Diesem Zwecke diente in Reichenberg ab 15. August 1920 ein Teil des Hotels Union, später Reichenberger Hof.13 Die Gewährleistung eines Ausstellungsraumes war von Anfang an das Ziel der Reichenberger Kreisgruppe.14

Im Jahre 1865 wurde in der damaligen Wiener Straße, heutiger Moskauer Straße auf der Stelle der ursprünglichen Bebauung das Hotel Union gebaut. Sein späterer Eigentümer, Josef Lažansky, errichtete in dem hinteren Trakt einen Tanzsaal (heutige Bühne und Zuschauerraum des Naiven Theaters) und in den Jahren 1891–1892 schloss er eine gläserne Veranda an. So verband er die zwei Haupteinkaufs- und Fußgängerstraßen in Reichenberg mit einem Objekt. In der Erwägung des Verkaufes des ganzen Objektes um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts hat diese Gruppe von Grundstücken und der darauf stehenden Bauten unter Druck Reichenberger Persönlichkeiten und mit ihrem bedeutenden finanziellen Beitrag die Stadt Reichenberg gekauft. Die ursprüngliche Verwendung als Hotel und Restaurant wurde im Jahre 1909 geändert, als in das Erdgeschoss des Hotels das Arbeitsamt und eine öffentliche Küche einzogen; im ersten Stock fand eine Volksbibliothek mit Lesesaal ihren Sitz. Teile des Objektes wurden an deutsche Vereine vermietet. Die Veranda ist zuerst zu einer Kegelbahn geworden, später wurde sie zum Atelier des Malers Rudolf Walter-Cocl, der in der Zeit unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg in Wien wirkte.15 Deshalb wurde das Atelier nur teilweise benutzt und die Räumlichkeiten gerieten in den Fokus des Interesses der Vertreter des Metznerbundes.16

Aus dem Entwurf des Projektes der Veranda von Paul Wagner ergibt sich, dass es sich um eine Holzkonstruktion mit Säulen mit einer Innenhöhe von vier Meter handelte. Der längliche offene Bau mit einem Satteldach wurde von zwei eingelassenen Kuppeln mit Türmchen flankiert, die an der westlichen Stirnseite in die Prager Straße und in der Mitte des Baus platziert waren. In der südöstlichen Ecke des Interieurs wurde der Cafebetrieb – Büfett und WC – platziert. Die Veranda betrat man aus dem Treppenhaus aus der heutigen Prager Straße.

Für die Ausstellungszwecke wurde der Raum angemessen eingerichtet. Ein Teil der ursprünglichen Glasfüllungen wurde bis in die Höhe von zweieinhalb Meter mit Holz verschalt und nachfolgend verputzt, wobei der obere Teil der Verglasung noch ungefähr einen Meter in die Höhe frei blieb. Der Metznerbund verlangte von Anfang an eine unentgeltliche langfristige Vermietung der Räume unter der Bedingung, dass er sich um die unentbehrlichen Baueinrichtungen des Objektes kümmern würde.17 Die ursprüngliche Absicht, regelmäßige Dauerverkaufsausstellungen zu veranstalten, wurde in den Anfängen erfolgreich erfüllt. Die erste Ausstellung von Werken der Reichenberger Kreisgruppe des Metznerbundes wurde in den Räumen der Schückerstraβe 21 am Sonntag, den 15. August 1920, eröffnet und erlangte laut zeitgenössischer Presse ziemlich großes Interesse.18 Ungeachtet dessen, dass das Gebäude nicht der passendste Ausstellungsraum war, weil es nicht isoliert war, fanden dort am Anfang der 1920er Jahre Ausstellungen ganzjährig statt.19 Der alljährliche Höhepunkt war eine Verkaufsausstellung von Werken der Mitglieder in der Vorweihnachtszeit.20

Beim Gründungstreffen des Metznerbundes in Teplitz-Schönau im März 1920 war einer der wichtigen Programmpunkte die Entstehung einer Anstalt für die Annahme von künstlerischen Aufträgen (Entwurfsstelle).21 Das Ziel war es, verschiedenste künstlerische Aufträge für Graphiker, Maler, Bildhauer, Architekten und Kunsthandwerker zu sammeln. Die Künstler konnten hier ihre „Portfolios“, konkrete Werke, Vorschläge oder Photographien von schon angefertigten Werken hinterlassen. Der Kunde hatte somit eine erleichterte Wahl und danach wurde der konkrete Bildkünstler angesprochen. Für die Vermittlung bekam der Verein ein „angemessenes“ Entgelt von 10%, mit dem er die Absicht hatte, dieses unter anderen Beteiligten, die Ideenvorschläge leisteten, zu verteilen, und ein Teil sollte in der Verbandskasse bleiben. Neben der Vermittlung bot diese Anstalt auch eine Kunstberatung, zum Beispiel beim Einrichten des Interieurs. Es war nicht nur für Bilder und Plastiken bestimmt, sondern es legte Wert auch auf qualitativ hochwertiges Kunsthandwerk. Die Zielgruppe der Anstalt war sowohl die Stadt, als auch ihre jungen Einwohner. Die Initiatoren dieser Aktivität versprachen sich vor allem einen wirtschaftlichen Erfolg – Nachfragesteigerung für qualitativ hochwertige Werke, gleichzeitig waren sie sich aber dessen bewusst, dass die Durchsetzung ähnlicher Gedanken nicht einfach und von der Aktivität der Mitglieder des Metznerbundes abhängig sein wird. Hinsichtlich dessen, dass über diese Initiative in späteren Schriftquellen keine Nachrichten berichten, ging sie wahrscheinlich leer aus. Verantwortlich für die Initiative war der Architekt Dr. Anton Krapf (1881–1962), der erste Vorsitzende der Reichenberger Kreisgruppe des Vereines und seit 1923 der Nachfolger Karl Krattners, des ersten Präsidenten der ganzen Vereinigung. Gebürtig aus München, kam Anton Krapf im Jahre 1906 nach Reichenberg auf Empfehlung von Friedrich Ohmann, des Architekten des Reichenberger Museums. Zuerst arbeitete er bei der Firma Sachers & Söhne, danach wirkte er als Professor an der Fachschule. In den ersten Jahren der Existenz des Vereines war er das aktivste Mitglied, später zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück.22 Vor allem dank seiner Initiative gewann der Metznerbund die Ausstellungsräume und seine Artikel in den zeitgenössischen Periodika ermöglichten die Rekonstruktion der Tätigkeit des Vereines. Nach seinem Rücktritt aus dem öffentlichen Leben nahmen die Aktivitäten und Nachrichten aus der Reichenberger Bildkunstszene deutlich ab.




Die Zeitschrift Die Kunsthütte


Die Reichenberger Kreisgruppe des Metznerbundes betrieb neben der Ausstellungshalle auch andere gesellschaftliche Aktivitäten. Sie gab die Zeitschrift Die Kunsthütte heraus. Der erste und zugleich der letzte Jahrgang umfasste insgesamt elf Nummern und erschien regelmäßig jeden Monat ab April 1923 bis März 192423 unter der Leitung von Alfred Kunft, später des Graphikers Wilhelm Koch. Die Zeitschrift wurde in der vornehmen Reichenberger Druckerei von Erich Spiethoff gedruckt. Die Zeitschrift präsentierte sich als ein Organ der deutschen Bildkünstler in der Tschechoslowakei und übernahm ihre Vertretung in den Sachen der Bild- und Gebrauchskunst.

Die einleitenden theoretischen Texte der Zeitschrift waren der Problematik des künstlerischen Schaffens gewidmet und sowohl von den Mitgliedern des Metznerbundes geschrieben, als auch aus der zeitgenössischen kunsthistorischen Presse übernommen, zum Beispiel der Aufsatz von Emil Orlik über den japanischen Holzdruck oder der Aufsatz des Berliner Psychiaters Hermann über das Schaffen der Geisteskranken. Gleich der erste Beitrag Was ist Kunst des Malers Hans Thuma eröffnete ein Thema, das eine große Anzahl von Übersichtsartikeln über die deutsch-böhmische Kunst, die in der Mehrheit der Periodika in der Zeit der Ersten Republik erschienen, verband. In der Regel befassten sich diese mit der schwierigen materiellen und gesellschaftlichen Situation der Bildkünstler, mit allgemeiner Interesselosigkeit um Bildkunst und mit Geschmacksverfall.24

An den einleitenden theoretischen Teil knüpften Informationen über die einzelnen Kreis- und Ortsgruppen des Vereines an. Erwähnt wurden die Aktivitäten der Fachgruppen, unterteilt auf Maler, Grafiker und Architekten. Aus diesen Informationen über die Ausstellungen, Mitglieder und über die einzelnen Gruppierungen im Rahmen des Verbandes kann die Tätigkeit des Metznerbundes bis zum Jahr 1924 ziemlich genau rekonstruiert werden. Mit der Rücksicht auf die Vereinsziele widmete sich die Mehrheit der Texte ausgeschriebenen Wettbewerben. Erwähnt ist zum Beispiel der Ideenplan einer modernen Bebauung von Trautenau, vom Reichenberger Stadtviertel Kranich oder der Staatsgalerie in Prag, der Wettbewerb für die Vertretungsbehörde in Belgrad. Abgedruckt wurden auch Plakate von Ausstellungen und von verschiedensten anderen Bestimmungen. Dieser Inhalt scheint der wichtigste Bestandteil der Verbandszeitschrift gewesen zu sein. Eine Kunstbeilage ist heute nicht mehr rekonstruierbar. Im ersten Jahrgang wurden in kurzen Porträts jeweils mit Reproduktion eines Werkes Rudolf Karasek, Johanes Watzal, Eugenie Hauptmann-Sommer, Ernst Riedel, Josef Michael Göhsl, Norbert Hochsieder, Wenzel Franz Jäger, Hans Thuma, Erwin Müller, Alfred Kunft, Alfred Dorn, Roman Dressler, Wilhelm Koch und Karl Kolaczek vorgestellt. Außer Göhsl, Riedel und Hochsieder handelte sich um Mitglieder der Reichenberger und Gablonzer Ortsgruppe.

Die Zielrichtung der Zeitschrift war ziemlich breit definiert. Sie war offen allen deutschen Bildkünstlern und Theoretikern, deren Beiträge sowohl künstlerische, als auch fachlich technische und wirtschaftliche Fragen betreffen konnten. Einen wichtigen Bestandteil bildeten die Nachrichten der einzelnen Kreis- und Regionalgruppen des Metznerbundes. Hier wurden Beiträge veröffentlicht, die sowohl Informationen über Ausstellungen, architektonische Wettbewerbe und ihre Ergebnisse als auch Nachrichten aus dem Kunsthandel betrafen. So wie der Verein keine einzige Kunstströmung vertrat, war auch Die Kunsthütte nicht monothematisch. Sie stand verschiedensten Ansichten offen und fühlte sich verpflichtet, diese dem Publikum zu vermitteln. Die Redaktion forderte die ganze deutsche künstlerische Gemeinschaft zur Mitarbeit auf, so dass die vorgenommenen Ziele erfüllt werden konnten.

In der Doppelnummer 7–8 vom Oktober und November 1923 taucht auf den Seiten 7–8 die Information von Otto Kletzl über die Herausgabe des zweiten Jahrgangs des sudetendeutschen Kalenders Sudetendeutsches Jahr, das vor allem auf die Grafik und Informationen über die deutsch-böhmischen Grafiker orientiert war, auf. Otto Kletzl gab es in den Jahren 1922–1924 aus der Initiative Karl Krattners in der Zeit der Entstehung des Metznerbundes heraus und ermöglichte somit der deutsch-böhmischen Kunst, sich der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Kalender wurde in einer Anzahl von 5 000 Exemplaren sowohl in die Tschechoslowakei als auch nach Österreich und Deutschland verteilt.25

Man kann sagen, dass die zeitgenössischen Versuche, die deutsch-böhmische Kunst zu bewerten und diese in den Kontext der tschechischen Kunstgeschichte einzugliedern26 an der Wende der 1920er und 1930er Jahre den Höhepunkt erreichten, als die Zeitschrift Witiko herauskam.27 Aber ähnlich wie dieses anscheinend bedeutendste Zwischenkriegsperiodikum, das die Bemühungen um die Symbiose der tschechischen, deutschen und jüdischen Kultur reflektierte, war keine der ähnlichen Initiativen langfristig erfolgreich.28 Die Kunsthütte erlosch gerade nach einem Jahr ihrer Existenz. In Reichenberg gelang es trotz einer breiten Mitgliederbasis und anderer Aktivitäten, die überlebten, nicht, an ähnliche Initiativen anzuknüpfen.

Im Jahre 1923 fing die Reichenberger Kreisgruppe des Metznerbundes an, regelmäßig Gauklerfeste – Maskenbälle oder Fasching zu veranstalten.29 Feiern der Künstler waren zu der Zeit nichts Ungewöhnliches. Nach dem Modell des Wiener Künstlerhauses30 sind Feste und Karnevale zum Beispiel aus Brünn bekannt.31 In Reichenberg fand das erste Gauklerfest am 10. Februar 1923 in den Räumen des Cafés Post, die zu diesem Zwecke künstlerisch verziert und in mehrere Salons aufgeteilt wurden, statt. Bestandteil der Verzierung und des Programms waren ein orientalisches Café, Jazzsalon, Zigeunerkapelle, Tanzauftritt, Theater, Karikaturenkabinett32 und Kabarett. Zum Höhepunkt des Abends wurde ein bunter Maskenzug. Bei der Herstellung von Masken konnte der Skizzenblock von Modellen, der in der Metznerbundhalle zur Einsicht stand, nachhelfen. Weitere Jahrgänge des Gauklerfests zogen in größere Räume der Reichenberger Turnhalle oder in die Salons des Hotels Goldener Löwe um. Zum Unterhaltungsprogramm kam noch eine Tombola hinzu, deren Inhalt Bilder, Graphiken, Zeichnungen und Handwerk der Verbandsmitglieder bildeten. Die Einladungskarten wurden von den Graphikern Josef Jäger, Heinrich Baudisch und Rudolf Kahl entworfen. Beim Vergleich ähnlicher Feste in Brünn oder in Wien kann vorausgesetzt werden, dass für die Feste originale künstlerische Dekorationen von Anfang an entworfen wurden. Es blieb eine Photographie der Reichenberger Maler Jaro Beran und Erwin Müller erhalten, die sie am Ende der 1920er Jahre bei der Herstellung der großen realistischen architektonischen Kulissen aufnahm. Eher als die Kunstqualitäten sind hier aber gesellschaftliche und künstlerische Beziehungen von größerer Bedeutung, welche die in der Zeit der Ersten Republik sonst strenge Nationalitätentrennung in der überwiegend deutschen Stadt nicht respektierten. Die Freundschaft beider Männer überdauerte, doch Berans Versuche, Müller in den 1950er Jahren in seiner neuen Wirkungsstätte in Ostdeutschland aufzusuchen, scheiterten.33



Die Gruppe Oktobergruppe

Im Rahmen des Metznerbundes haben sich während seiner Existenz mehrere Bildkünstlergruppen etabliert. Im Jahre 1919, also noch vor der Gründung des Metznerbundes, entstand die Gruppe Die Pilger. 1920 schlossen sie sich dem Metznerbund an.34 Im Jahre 1928 stellte sich mit einer einzigen Ausstellung Junge Kunst vor, die noch in demselben Jahr auflöste und deren Mitglieder zum Teil der neu entstandenen Prager Sezession wurden.35 Diese Gruppierung präsentierte sich bis zur deutschen Okkupation auf regelmäßigen Jahresausstellungen in Prag und an anderen Orten.

In Reichenberg stellte sich im Oktober 1922 zum ersten Mal die Oktobergruppe vor; eine Gruppe, die genauso wie Die Pilger oder Prager Sezession im Rahmen des Metznerbundes existierte. Die Basis der Gruppe bildeten anfangs vier Maler und Graphiker der jüngsten antretenden Generation: Erwin Müller, Hans Thuma, Rudolf Karasek und Alfred Kunft. Der Kreis erweiterte sich um Alfred Dorn, Johannes Watzal, Richard Fleissner, Edith Plischke-Fleissner, Wilhelm Srb-Schlossbauer, Karl Kaschak und Wenzel Franz Jäger. Der Grund der Absonderung der Gruppe war die Situation des Vereines und seine zu breite Mitgliederbasis, da außer Bildkünstlern, die keiner Jury oder einem anderen Qualitätsmaßstab unterlagen, jeder Sympathisant der deutsch-böhmischen Kunst zum Mitglied werden konnte.36 Die Oktobergruppe, eine apolitische Gruppierung ohne verbindliches bildkünstlerisches Programm, präsentierte sich auf gemeinsamen Ausstellungen, die in den Räumen des Reichenberger Museums stattfanden. Die erste Ausstellung fand im Oktober 1922 statt, die anderen in den Jahren 1923 und 1926.37 Im Jahre 1924 beantragte sie beim Kunstverein Krasoumná jednota eine Terminzuteilung für das Rudolfinum, erhielt jedoch keine Antwort.38 Der größte Erfolg war eine gemeinsame Ausstellung in Mánes in Prag im November 1927.39 In der Einleitung des Kataloges, identifizierte sich die Gruppe als „selbständiger Verein innerhalb ,des Metznerbundes‘. Die Mitglieder der ,Oktobergruppe‘ werden nicht auf der Grundlage einer Satzung oder eines bestimmten Programms vereinigt. Was sie zusammenhält, ist ein gleiches oder ähnliches künstlerisches Streben. Die ,Oktobergruppe‘ vertritt keine bestimmte künstlerische Strömung; sie kennt nicht die Moderne im Sinne der Modernheit. Ihr Motto ist ,Freiheit für Schaffende‘ und ,Kampf dem Dilettantismus.“ Jaromír Pečírka fasste die Ausstellung für die Prager Presse kurz zusammen,40 Otto Kletzl widmete ihr auf den Seiten der Deutschen Arbeit einen größeren Raum.41 Die Ausstellung wurde wahrscheinlich auch in Dresden wiederholt,42 über das dortige Stattfinden der Ausstellung wurden bisher keine relevanten Informationen gefunden.



Erwin Müller


Zu den interessantesten Mitgliedern der Oktobergruppe gehörte Erwin Müller (1893–1978). Im Unterschied zu einer Reihe von Autoren, die mit der Reichenberger Region verbunden werden, besuchte er nicht die Kunstgewerbeschule in Gablonz, sondern das Reichenberger Gymnasium. Danach ging er nach Wien, wo er sich im Oktober 1913 für das Studium an der Akademie der bildenden Künste einschrieb. Er nahm noch an dem Unterricht in beiden Semestern des Jahres 1915 teil, für die er auch eine finanzielle Beihilfe bekam. Er besuchte das Maleratelier der Professoren Rudolf Bacher und des Brünner Landsmannes Hans Tichy. Während des Krieges musste er bis April 1918 das Studium unterbrechen.43 Er nahm an den Kämpfen an der russischen Front teil und im Sommer 1918 kehrte er nach Reichenberg zurück, wo er in der Druckerwerkstatt seines Vaters wirkte. Nach Angaben der Bildkunstakademie in Wien kehrte er zum Studium nur noch im Frühjahr 1918 kurz zurück. Danach unternahm er eine Studienreise nach Berlin, Dresden und auch nach Wien, wo er anscheinend im Jahre 1920 das Studium an der Akademie abschloss. Er gehörte nicht zu den Gründungsmitgliedern des Metznerbundes; in Reichenberg stellte er Bilder und Holzplastiken zum ersten Mal im Jahre 1921 in der zweiten Ausstellung des Metznerbundes aus.44 Die bis jetzt fehlenden belegten Informationen über Müllers weitere Ausbildung in Deutschland können die Vermutungen unterstützen, dass, auch trotzdem er in Wien bestimmt sehr gute Grundlagen für seine bildkünstlerische Tätigkeit gewann, seine weitere Orientierung ausschließlich in den Einflussbereich der in Deutschland entstehenden Neuen Sachlichkeit fällt.

Im Oktober 1922 präsentierte sich Erwin Müller auf der ersten Ausstellung der Oktobergruppe mit Landschaften, Bildern, Zeichnungen und Graphiken mit biblischer Thematik und auch schon mit den ersten realistischen figuralen Kompositionen mit profanen Themen.45 In seinem Œuvre kann man mehrere Grundlinien, mit denen er sich zu gleicher Zeit beschäftigte, beobachten. Ein großes Thema, das für viele deutsch-böhmische Bildkünstler in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg charakteristisch ist, sind biblische Motive. Es waren vor allem die persönlichen Erfahrungen aus den Kämpfen an der Front und die nachfolgende Enttäuschung über die politische und gesellschaftliche Situation nach 1918, die die deutsch-böhmischen Künstler, mehr noch als die tschechischen, dazu brachten, sich religiösen Themen zu widmen.

In den frühen 1920er Jahren beschäftigte sich Erwin Müller mit der biblischen Thematik sehr intensiv. Bis in die Gegenwart blieben jedoch nur Zeichnungen und Graphiken erhalten. Das frühe figurale Werk Müllers vertritt die große Leinwand Niobe aus dem Jahre 1922, die in dem ersten Katalog der Oktobergruppe reproduziert wurde und heute von der Regionalgalerie in Liberec verwaltet wird (weiter nur OGL). Das Bild zeigt zugleich die expressive Lage in Müllers Werk. Die dramatische Szene ist in die Kulissen einer reich gefältelten Draperie Niobes Gewands eingesetzt, aufmerksam ist vor allem das fast monochrome Kobaltblau. In einer Privatsammlung befindet sich eine Vorbereitungszeichnung zu diesem Bild, welche wesentlich farbenreicher ist.46 Obwohl sich ein Teil der Szene der Ermordung von den vierzehn Söhnen und Töchtern der stolzen Niobe auf der Zeichnung von dem Bild unterscheidet, trägt sie schon alle Zeichen des künftigen Bildes. Die dargestellten Figuren von Niobe, die ihre Nachkommen vor tödlichen Pfeilen des Apollons und der Leto schützt und ihrer Kinder sind vor allem in dem Ausdruck und in der Komposition expressiv, das Gemälde ist ruhig, ohne wesentliche Farbansätze und Pinselstriche.

Schon das frühe Werk Müllers weist klassizistische Tendenzen auf, vor allem in der Auffassung vom menschlichen Körper. Der Nachkriegsrealismus, der für Müllers Œuvre am typischsten ist, ist bodenständig und wendet sich wiederholt zu der nächsten Umgebung. Er bemüht sich in seinen Werken nicht bedingungslos um soziale und gesellschaftliche Kritik so deutlich, wie es für die Hauptvertreter der gerade entstehenden Neuen Sachlichkeit in Deutschland typisch war. Im Jahre 1922, als diese neue Strömung benannt wurde, war sie auch in Deutschland etwas Neues. Die nicht allzu genau definierte Grenze des Realismus zwischen dem neoklassizistischen und dem veristischen Realismus bestimmte im Jahre 1922 zum ersten Mal der Mannheimer Kunsthistoriker Gustav Friedrich Hartlaub auf Grund einer Meinungsumfrage in der Zeitschrift Kunstblatt.47 Die erste Ausstellung wurde 1923 geplant, aus technischen Gründen fand sie aber zwei Jahre später statt.48 Nicht nur aus dieser Sicht war das realistische Werk von Erwin Müller im europäischen Maßstab zeitgenössisch und modern. Eindeutig begegnete er dieser Strömung der Malerei erst nach seiner Rückkehr aus Wien, da in Österreich die Neue Sachlichkeit erst Mitte der 1920er Jahre bekannt wird.49

Die erhalten gebliebenen Bilder und Zeichnungen von Erwin Müller, die in der Art der Neuen Sachlichkeit geschaffen wurden, sind beschreibend, nüchtern, teilweise auch gesellschaftskritisch, sie reagieren auf soziale Beziehungen und Unterschiede in der Gesellschaft, wo das Wohlleben mit psychischer Spannung kontrastiert. Es handelt sich eher um eine neoklassizistische Tendenz, die in den Bildern Die Höckerin (OGL, Inv. Nr. O 1369) oder Der Bauer in Entrüstung (OGL, Inv. Nr. O 2281), aber auch in Zeichnungen, zum Beispiel Der Mann mit Krug (Privatsammlung; Vorlage für das Bild Der kranke Bauer, heute vermisst) deutlich ist. Flächendarstellung und Farbkontraste sind typisch für sein Werk der 1920er Jahre. In einem abgelehntem Antrag für finanzielle Unterstützung bei der Gesellschaft zur Förderung der deutschen Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen aus dem Jahre 1934 findet man eine Bewertung Müllers Schaffens nach dem Jahre 1930, die der Professor der Prager Akademie Franz Thiele verfasste. Er schreibt, dass Müller die figurale Thematik in der Art der Neuen Sachlichkeit verließ und mehr zu kleineren Aquarellen und Landschaftsskizzen neigte.50

Müllers bedeutendster Erfolg war die Teilnahme an der Biennale in Venedig im Jahre 1926. Hier stellte er eine Landschaft Landstraße aus, die heute verschollen ist. In einer Kritik der venezianischen Ausstellung auf den Seiten der französischen Halbmonatsschrift La Revue Moderne, die durch zehn Reproduktionen Müllers ergänzt wird, widmete sich der Kritiker Clément Morro der Bewertung von bisherigem Werk Erwin Müllers. Mehr als die figuralen Werke hob er vor allem seine Landschaften und „ das phantastische Licht, ... dieses traumhafte, fast unwirkliche Licht ... keine blosse Fiktion, sondern Wirklichkeit. Man hätte in den wiedergegebenen Eindrücken die Werke Göhtes, Lenaus, Wielands und Grimms wiedererkannt, den Geist und die Bewegung dieser Kompositionen und eine Lösung für ihre geheimnisvolle, dramatische Wirklichkeit darin gefunden.“51 1928 bekam Müller, vermutlich auf Grund dieses Erfolges, das Kaňka Stipendium der Bildkunstabteilung der erwähnten Gesellschaft. Aus den zwischen den Jahren 1914 und 1934 zugeschickten Anträgen folgt, dass er eine finanzielle Unterstützung gegen Einkauf von Kunstwerken im Laufe dieser Zeit viermal bekam. Ähnlich wie Franz Thiele, hielt ihm auch Clément Morro Provinzialität vor – die Ungefälligkeit seine Geburtsstadt zu verlassen und sich vor allem im Ausland weiterzubilden und inspirieren zu lassen. Erwin Müller wurde in Reichenberg von der Familie und der Druckwerkstatt gehalten, in der er die Möglichkeit fand, freischaffend graphisch tätig zu sein. Dieser Zustand hinderte ihn aber, sich auch außerhalb der Region durchzusetzen.

Die Kritik Otto Kletzels der Ausstellung der Oktobergruppe in Mánes im Oktober 1927 fiel für Müller eher negativ aus. Kletzl bezeichnete sein Schaffen als interessant, vor allem aus ideologischer Sicht, wies aber auf unausgeglichene technische Ausführung seiner Ölmalereien hin.52 Praktisch identisch bewertete Müllers Werk auf den Seiten des Prager Tagblattes Fritz Lehmann.53 Diese Kritik ist verständlich, denn beim Vergleich der erhalten gebliebenen Werke ist die technische Ausführung und ihre unterschiedliche Qualität erstaunlich. In einigen Bildern fallen hohe Schichten von Paste auf, die Malerei ist dicht, mit klaren Pinselstrichen, in anderen Bildern kommt genau das Gegenteil vor.

In den 1930er Jahren zeigte Müller sein Werk auf Vereinsausstellungen in Reichenberg, Gablonz und an anderen Orten. Im Jahre 1933 präsentierte er sich mit vier Ölmalereien auf der Ausstellung des Metznerbundes in Stuttgart oder auf beiden internationalen Ausstellungen der tschechoslowakischen Kunst in Karlsbad, die hier in den Jahren 1930 und 1931 stattfanden.

Im Jahre 1937 organisierte der Bund der Deutschen in Teplitz-Schönau unter der Leitung des Bildhauers und langjährigen Professors der Kunstgewerbeschule in Teplitz-Schönau, Johannes Watzal, auf dem Messegelände in Reichenberg eine große Ausstellung der sudetendeutschen Kunst.54 In abgeänderter Form und mit organisatorischer Hilfe der Sudetendeutschen Kulturgesellschaft in Berlin wanderte die Ausstellung bis 1939 durch große deutsche Städten – Berlin, Dresden, Köln am Rhein und Stuttgart. Die Vorworte zu den einzelnen Katalogen verbindet vor allem der Gedanke, das Schaffen der Sudetendeutschen den Reichsdeutschen vorzustellen. Angesichts der zeitgenössischen Zusammenhänge wäre es nicht korrekt zu vermuten, dass diese Ausstellung nicht mit der nationalsozialistischen Propaganda zusammenhing. Es wäre aber fehlerhaft, von der Teilnahme an dieser und anderen Ausstellungen der deutsch-böhmischen Kunst schlusszufolgern, dass alle Beteiligten Anhänger des damaligen Regimes waren. Vertreten waren nicht nur lebende, sondern auch schon tote Künstler, zum Beispiel Josef Hegenbarth oder Franz Metzner. Diese Künstler kann man mit der Propaganda nicht verbinden. Es war keine Regel, dass sich nach Hitlers Machteintritt die deutsch-böhmische Kunst unbedingt an der damaligen Propaganda orientierte. Eine Reihe von Mitgliedern des Metznerbundes waren aktive Gegner der nationalsozialistischen Gedanken, zum Beispiel Richard Fleissner, andere sind zu Opfern der künstlerischen und politischen Selektion der entarteten Kunst geworden (Otto Th. W. Stein, Tina Pezellen und andere).

Die damalige Situation in der Kunstszene ist im Vorwort der ersten Nummer der Zeitschrift Sudetendeutsche Zeitschrift für Kunst und Handwerk,55 die im Zusammenhang der Reichenberger Ausstellung im Jahre 1937 herauskam, treffend gefasst. Karl Kerl, der damalige Vorsitzende des Metznerbundes, schreibt in der Einleitung über das Fehlen einer künstlerischen Monatsschrift, die Informationen über das Schaffen der sudetendeutschen Bildkünstler aller Bereiche bieten könnte. Die Zeitschrift war in erster Reihe an sie gerichtet, akzeptierte aber auch Beiträge über gegenwärtige tschechische Kunst und wollte zur Plattform für „... edlen Wettstreit der beiden Völker“ werden. Die Zeitschrift kam sechsmal heraus und dann wurde sie aufgelöst.

Die Reichenberger Ausstellung 1937 beschickte Müller mit dem Stillleben Fische56 und einer Landschaft, die Berliner Ausstellung mit demselben Stillleben; an der Ausstellung in Dresden und Stuttgart nahm er nicht mehr teil.

1943, nach der Rückkehr aus den Kämpfen an der russischen Front nach Reichenberg, bemühte sich Müller weiter zu malen, er kehrte wiederholt zu figuralen Themen zurück und widmete sich auch Kinderbuchillustrationen. Er nahm an den großen ganzstaatlichen Vereinsausstellungen des Metznerbundes teil, die in Reichenberg während des Krieges jährlich im Herbst stattfanden. Bei der Jubiläumsausstellung zu 25 Jahren der Existenz des Vereines, die im Pavillon Myslbek in Prag stattfand, präsentierte er sich mit den aktuellen Werken, die seine Kriegserlebnisse reflektierten. Auf den Ausstellungen der Kreisgruppe Reichenberg des Metznerbundes, die nach der Schließung des ursprünglichen Ausstellungssaals in die Räume im ersten Stock des Palais Dunaj umzogen, erschien seine zahlreiche Kollektion von Aquarellzeichnungen und Stillleben.57 Müllers Schaffen der 1940er Jahre wurde mit den Gedanken des Nationalsozialismus nicht unbedingt beeinflusst. Er wandte sich, ähnlich wie eine Reihe von anderen Autoren, konfliktlosen Themen zu.

Das Schaffen und das Leben von Erwin Müller nach dem Jahre 1945 bleiben auch mehr als 30 Jahre nach seinem Tod weitgehend ungeklärt. Er befindet sich nicht auf der Liste der ausgesiedelten Deutschen.58 Zu seiner neuen Wirkungsstätte ist spätestens seit März 1946 Naumburg geworden.59 Am Anfang der 1950er Jahre setzte er sich als Graphiker durch, seine Plakatentwürfe für Kunstausstellungen und Architektur wurden in Wettbewerben geschätzt.60 Drei seiner Graphiken erschienen auf der Ausstellung Geisteserbe des deutschen Ostens, die im Jahre 1951 in München stattfand.61 Sie waren aber das Eigentum von Bildhauer Theodor Malléner, der während des zweiten Weltkrieges in Reichenberg wirkte. In seinem Atelier, das sich am Tuchplatz befand, lagerte Erwin Müller am Ende des Krieges seine Werke ein, die als konfisziertes Eigentum aus der Initiative von Jaro Beran in die Sammlungen der Regionalgalerie in Liberec gelangten.62 Das Werk von Theodor Malléner wurde zuerst in die Sammlungen mit eingegliedert, in der Hälfte der 1960er Jahre wurde es aber bedauerlicherweise kommissionell ausgesondert und physisch zerstört.

Nach 1945 stellte Müller wahrscheinlich nicht mehr aus und zu seinem eventuellen Schaffen gibt es keine weiteren Informationen. Erwin Müller hatte nie geheiratet und starb in Einsamkeit am 25. April 1978.

Nach dem Jahre 1989 wurde ein Teil seines Schaffens im Rahmen der heute schon legendären Ausstellung Lücken in der Geschichte 1890–1938. Polemischer Geist Mitteleuropas – Deutsche, Juden, Tschechen, die von Hana Rousová in der Galerie der Hauptstadt Prag veranstaltet wurde, vorgestellt.63 Müllers Werk wurde hier charakterisiert als „... in der tschechischen Region ganz vereinzelt ... Die deskriptive Sachlichkeit, kombiniert mit dem Grotesken und einem harten gesellschaftlichen Appell, waren den tschechischen Künstlern nie eigen. Um so interessanter ist jedoch für uns das Bild E. Müllers“.64 In der letzten Zeit begegnete man seinem Werk auf den Ausstellungen Vzplanutí und Bytosti odnikud, veranstaltet von Marie Rakušanová. Ausgestellt wurden hier Ölmalereien aus einer Privatsammlung: Sitzendes Mädchenakt65 und Der Reiter und das Mädchen, datiert in die Zeit um das Jahr 1930.66 In der Sammlung der Galerie Ztichlá klika befinden sich zwei Graphiken, die bei der Ausstellung der gleichnamigen Sammlung in Olomouc im Jahre 2008 präsentiert wurden.67


Sowohl die Geschichte des Metznerbundes als auch seiner einzelnen Mitglieder wurde bis jetzt, bis auf Ausnahmen, nicht ausreichend bearbeitet. Das hängt mit ungenügender Quellenlage, Unwissenheit über das Schaffen und Leben eines großen Teils der Vereinsmitglieder zusammen und vor allem mit dem ursprünglichen Umfang des Vereines, der sowohl in Böhmen, als auch in Mähren und in Schlesien tätig war und dessen Mitglieder nicht nur Bildkünstler und Architekten mit akademischer Ausbildung, sondern auch ihre Sympathisanten aus der Reihe der Laien waren. Es besteht kein Zweifel, dass die künstlerische Qualität der einzelnen Mitglieder dieser Gruppierung deutlich schwankend war. Gerade durch die breite Basis und die Bemühung, alle deutschen Bildkünstler in der ehemaligen Tschechoslowakei in einer Organisation zu vereinen, ist eine wissenschaftliche Beurteilung seiner Tätigkeit erst auf Grundlage einer gründlichen Kenntnis der Problematik möglich. So wie aus einem einzigen Jahrgang der Zeitschrift Die Kunsthütte, einer Zeitschrift, welche die Mitgliedschaft einheitlich als tragend und richtig wahrnahm, folgt, hing alles von der Kraft der Veranstalter und der Initiative der Einzelpersonen mit klarer Vorstellung von Kontinuität und Progression ab. Die Zeitschrift Die Kunsthütte, zusammen mit den Recherchen der zeitgenössischen Presse, kann im begrenzten Zeitraum die nicht existierende Quellenlage ersetzen und zur Erkenntnis des Lebens und des Schaffens der Deutschböhmen und zum Eingliedern ihres Schaffens nicht nur in den Kontext der tschechischen, sondern auch der europäischen Kunstgeschichte beitragen. Die Forschungsergebnisse dieses Themas werden in einer im Jahre 2013 geplanten Ausstellung veröffentlicht.68


1 In der Ausstellung wurden ausgewählte Autoren der Gablonzer Ortsgruppe dieses Vereines der deutsch sprechenden Künstler aus der Tschechoslowakei vorgestellt. Metznerbund. Ausstellung zum 90. Jahrestag der Gründung des Künstlervereines, Stadtgalerie MY, Jablonec nad Nisou, 25. 11. 2010 – 21. 1. 2011, Kurator der Ausstellung Jan Strnad.

2 Für die letzte Zusammenfassung zu den Kunstverbänden im mährischen Raum siehe zum Beispiel Ivo Habán, Brněnský Dům umělců jako výstavní centrum německy hovořících umělců z Moravy, Slezska a Čech, in: Lubomír Slavíček – Jana Vránová (Hg.), 100 let Domu umění města Brna 19102010, Brno 2010, S. 71–95.

3 Der Verein der deutschen bildenden Künstler in Böhmen entstand in Prag aus der bildkünstlerischen Abteilung der Gesellschaft zur Förderung der deutschen Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen wahrscheinlich im Jahre 1893. Die letzte Ausstellung fand im Jahre 1913 statt und mit dem Anfang des ersten Weltkrieges ist der Verein eingegangen.

4 Deutsch-böhmischer Künstlerbund entstand offiziell im Jahre 1909, die erste Ausstellung fand schon ein Jahr früher in Prag statt. Offiziell wurde der Verein erst im Jahre 1922 aufgelöst, seine Tätigkeit endete aber praktisch mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges. Marie Rumíšková, Deutsch-böhmischer Künstlerbund, jeho výstavy a kritiky (Bachelorarbeit), Seminář dějin umění, FFMU Brno, 2009.

5 Das Archiv der Nationalgalerie in Prag, Bestand Karl Krattner (weiter nur NG Bestand Krattner), Inv. Nr. 050, Sign. AA2774.

6 Der Metznerbund wurde nach Franz Metzner (1870–1919) benannt. Zu seiner Persönlichkeit z.B. Jan Mohr, Franz Metzner: socha a architektura mezi secesí a monumentem, Liberec 2006.

7 AJa [Anna Janištinová], Schlagwort Metznerův svaz, in: Anděla Horová (Hg.), Nová encyklopedie českého výtvarného umění I, Praha 1995, S. 507. – eadem, Praha a Čechy, in: Hana Rousová (Hg.), Mezery v historii. Polemický duch střední Evropy, Češi, Němci, Židé (Ausstellungskatalog), Galerie hlavního města Prahy – Národní galerie v Praze, 1994, S. 4450, hier S. 47. – Naďa Řeháková, Několik poznámek na okraj výtvarného života Liberecka dvacátých let, in: Rousová, ibidem, S. 5455, hier S. 54.

8 Soňa Mikulová, Jubilejní výstava Metznerbundu 1914–1944, in: Documenta Pragensia XX, Praha 2002, S. 191–257. Beim Entstehungsjahr 1914 handelt es sich wahrscheinlich um einen Tippfehler.

9 Sigrid Canz, Vom „Pilger“-Kreis zur Prager Sezession. Der Metznerbund und seine Sondergruppen, in: Stifter Jahrbuch, NF VII, München 1993, S. 99–111.

10 Was die Zweigstellen des Metznerbundes, die während der Existenz des Verbandes entstanden sind, betrifft, ist das Archivmaterial der Ortsgruppe Gablonz teilweise erhalten geblieben. Es enthält vor allem Informationen aus den 1930er Jahren. Es handelt sich um einen Teil der Vereinskorrespondenz aus den Jahren 1929–1936 und einige wenige Schriftstücke aus der Zeit der Entstehung. Es enthält zum Beispiel die Stellungnahme zur Gründung einer neuen Gruppe Der Reichsverband deutscher bildender Künstler in der Tschechoslowakischen Republik, Berichte über die Tätigkeit der Gablonzer Ortsgruppe aus den Jahren 1933–1935 und andere. Staatliches Kreisarchiv Jablonec nad Nisou, Bestand Verein Metznerbund – Ortsgruppe Jablonec nad Nisou, Faszikel von Akten – Korrespondenz aus den Jahren 1929–1938.

11 Später entstanden Ortsgruppen in Olmütz und angeblich in Brünn und die Kreisgruppe Eger ging in die Kreisgruppe Aussig über.

12 Die Satzung des Metznerbundes im Archiv NG Bestand Krattner, Inv. Nr. 050, Sign. AA2774. Die Satzung wurde während der Existenz des Vereins allmählich geändert, genauso wie der Name, diese Fakten sind jedoch nicht Gegenstand der vorliegenden Studie.

13 Anna Habánová, Historie Liberecké výstavní haly Metznerbundu v Schückerstrasse 21, dnešní Pražské ulici, Fontes Nissae X, Liberec 2010, S. 5968.

14 Anton Krapf, Reichenberg als Werkstätte bildender Kunst, Reichenberger Zeitung LXI, 1920, Nr. 71, 25. 3., S. 5.

15 Rudolf Walter, bekannt unter dem Pseudonym Cocl, wurde im Jahre 1885 in Leitmeritz geboren; er studierte an der Bildkunstakademie in Prag, später unterrichtete er Zeichnen. Zwischen den Jahren 1918 und 1930 lebte er in Reichenberg, danach wirkte er als Kunst- und Antiquitätenhändler in Florenz, wo er im Jahre 1943 gestorben ist. Im Rudolfinum hatte er im Jahre 1912 eine selbstständige Ausstellung. In Reichenberg ist seine Tätigkeit mit Josef Holub verbunden. Zusammen mit ihm hat er in den 1920er Jahren einige Filme geschafft, die im Wiener Filmmuseum aufbewahrt werden. Rudolf Walter nahm an Bildverzierung der Kirche des hl. Antonius von Padua in Reichenberg-Ruppersdorf teil; erhalten geblieben sind sowohl das Hauptaltarbild als auch die Bilder der vier Evangelisten. Auf diese Werke hat mich Ivo Habán vom Denkmalpflegeamt Liberec aufmerksam gemacht.

16 Die Geschichte der Ausstellungshalle wurde anhand des Archivmaterials des Staatskreisarchives Liberec, Archiv der Stadt Liberec, Gd, Kart. Nr. 50, Sg. 257/4 bearbeitet.

17 Im Jahre 1920 haben die Vereinsmitglieder aus Reichenberg in einer Sammlung 9100 Kronen für die Sanierung des Objektes eingesammelt. Die Arbeiten beaufsichtigte der Baumeister Ferdinand Scholze. Siehe Staatskreisarchiv Liberec, Archiv der Stadt Liberec, unverarbeiteter Teil des Bestandes, die Stadtchroniken – allgemeiner Teil, Autor Viktor Lug, 3 Teile, S. 746–747. Es handelt sich um die Maschinenschrift der Landeskunde von Lug, die im Jahre 1938 herausgegeben wurde (Viktor Lug, Heimatkunde des Bezirkes Reichenberg in Böhmen IV–1, Reichenberg, Reichenberg 1938). Das Manuskript, das im Liberecer Archiv bewahrt wird, ist umfangreicher als die herausgegebene Publikation. Ich danke Jiří Bock, dass er mich auf diese Tatsache aufmerksam gemacht hat.

18 Reichenberger Kunsthalle, Reichenberg 15. August, Reichenberger Zeitung LXI, 1920, Nr. 122, 16. 8. – J. L. S., Zur Ausstellung der Kreisgruppe Reichenberg des Metznerbundes, Vorwärts, 27. 8. 1920.

19 In dem Manuskript von Lug (wie Anm. Chyba: zdroj odkazu nenalezen) erscheint die Erwähnung: „Das Unternehmen konnte sich aber nicht halten und löste sich selber wieder auf.“ Es bezieht sich auf die Tätigkeit der Kunsthalle. Somit werden die Vermutungen bestätigt, dass die Aktivitäten des Metznerbundes in der späteren Zeit anhielten. Die erwähnte Anmerkung kann auch begründen, warum die Ausstellungen der Reichenberger Maler und Bildhauer ab Ende der 1920er Jahre in höherer Anzahl eher in den Museumsräumen stattfanden.

20 Im Jahre 1920 war die Weihnachtsausstellung am Sonntag, den 14. November, geöffnet. Neben der bildenden Kunst wurden vor allem Werke des Kunsthandwerkes präsentiert, insgesamt 800 Gegenstände. Mehr dazu zum Beispiel in Reichenberger Zeitung LXI, 1920, 14. 11., 19. 11., 5. 12.

21 Anton Krapf, Reichenberger Entwurfsstelle des Metznerbundes, Reichenberger Zeitung LXI, 1920, Nr. 180, 7. 8., S. 6.

22 Rudolf Günther, Prof. Dr. Ing. Anton Krapf ein Achtziger, Reichenberger Zeitung XII, 1961, Nr. 2, 20. 1., S. 4.

23 In dem Verzeichnis der Zeitschriften, herausgegeben von Jaromír Kubíček und Kollektiv, Časopisy České republiky 1919–1945, Teil 1, Bibliografie, Bd. 1 A–K, Brno 2006, befindet sich auf der Seite 522 eine Erwähnung der Oberstaatsanwaltschaft in Prag über die Herausgabe der Zeitschrift Die Kunsthütte im Zeitraum von 1925 bis September 1925 als einer Monatsschrift, wobei aber das Vorkommen nicht festgestellt wurde. Das Herausgeben Der Kunsthütte in diesem Umfang wurde nicht nachgewiesen.

24 Ähnlich zum Beispiel Oskar Schürer, Moderne deutsche Kunst in der Tschechoslowakischen Republik, Československé výtvarné umění 1918–1928, výstava soudobé kultury v Brně 1928 (Ausstellungskatalog), Pracovní výbor umělců Československých Brno 1928, S. 22–24.

25 Sudetendeutsches Jahr war ein Wochenkalender, der von Otto Kletzl für die Jahre 1923 und 1924 auf die Bestellung von Hauptstelle für deutsche Schutzarbeit, beziehungsweise für das Jahr 1925 auf die Bestellung von Adalbert Stifter Gesellschaft vorbereitet wurde. Die Herausgeber waren Wia-Verlag in Teplitz-Schönau (1923), Böhmerland-Verlag Eger-Leipzig (1924) und Johannes Stauda Verlag Augsburg (1925). Für jede Woche wurde ein Kunstwerk reproduziert – Graphiken, Bilder und Plastiken, es kommen auch Photographien vor, alle waren durch Grundinformationen ergänzt. Die Rückseiten waren mit Gedichten und verschiedensten Textausschnitten bearbeitet.

26 Seit 1920 gab Otto Kletzl noch auch Böhmerlandjahrbuch für Volk und Heimat, seit 1925 in Sudetendeutsches Jahrbuch umbenannt, heraus. In diesem Periodikum wurde ein größerer Teil literarischen Beiträgen und ein kleiner Teil der Bildkunst gewidmet. Vereinzelte Aufsätze bringen nur einzelne Bildkünstler monographisch näher. Trotz des kleinen Umfangs stellt dieses Jahrbuch eine unentbehrliche Quelle dar, die zur Erkenntnis des Œuvres deutsch-böhmischer Bildkünstler führt.

27 Hana Rousová, Witiko – O jednom sisyfovském úsilí, in: eadem (wie Anm. 7), S. 9092.

28 Man kann nicht die Zeitschrift Forum, die in Pressburg in den Jahren 1931–1938 herauskam, vergessen. Trotzt der Spezialisation vor allem auf Architektur wird hier Aufmerksamkeit auch der Bildkunst gewidmet. Von den Autoren, die mit der Reichenberger Region verbunden sind, wurden hier Richard Fleissner, Alfred Dorn oder Rudolf Karasek vorgestellt. Über die Zeitschrift Forum zuletzt Jindřich Chatrný, Časopis Forum a Brno. Několik poznámek k brněnským stopám, in: Slavíček – Vránová (wie Anm. Chyba: zdroj odkazu nenalezen).

29 Ob ähnliche Faschingsfeiern auch in anderen Ortsgruppen des Metznerbundes stattfanden, kann man noch nicht nachweisen. Eine Ausnahme ist die Gablonzer Ortsgruppe, wo das erste Gauklerfest seit Herbst 1929 geplant wurde und fand wahrscheinlich im Februar 1930 statt.

30 Wladimir Aichelburg, Das Wiener Künstlerhaus 1861-1986. 125 Jahre in Bilddokumenten, Wien 1986, S. 50–53.

31 Robert Janás, Mährischer Kunstverein – dějiny spolku v letech 1882–1945, in: Jana Vránová – Lubomír Slavíček (Hg.), 90 let Domu umění města Brna. Historie jednoho domu. Architektura, historie, výstavy, kulturní činnost 1920–2000, Brno 2000, S. 16.

32 Das Karikaturenkabinett war das Ergebnis der Arbeit von Heinrich Baudisch, Rudolf Kahl, Alfred Kunft, Hans Thuma und Josef Jäger. Der Letztgenannte gab seit 1919 in Reichenberg die Halbmonatsschrift Rübezahl – eine lustige Streitschrift für die Sudetendeutschen heraus.

33 Brief von Jaro Beran an Erwin Müller, Privatarchiv.

34 Zu der Gruppe Die Pilger zum Beispiel Ivo Habán, Maxim Kopf (Ausstellungskatalog), Galerie výtvarného umění v Chebu 2002, S. 32–34. – Jana Orlíková, August Brömse a skupina Poutníci (Ausstellungskatalog), Galerie výtvarného umění v Chebu 2001, S. 34.

35 Archiv der Hauptstadt Prag, MHMP II, NVP, Abteilung für innere Angelegenheiten, Vereinsregister, Sign. IX/0663.

36 Die Enttäuschung über die Qualität der Ausstellungen wurde zum Beispiel in dem ersten resümierenden Artikel über die Tätigkeit des Vereines publiziert: Metznerbund, Verein deutscher Kunstschaffender, Böhmerlandjahrbuch für Volk und Heimat III, Eger 1922, S. 95–96.

37 Josef Wolf, Die Oktobergruppe des Metznerbundes, Kreisgruppe Reichenberg, Reichenberger Zeitung LXVII, 1926, Nr. 261, 7. 11., S. 24–25.

38 Archiv der NG, Bestand Krasoumná Jednota, AA 1897, Korespondenz KJ aus den Jahren 1923–1939.

39 Práce skupiny Metznerbundu Oktobergruppe z Liberce (Ausstellungskatalog), S. V. U. Mánes Praha 1927.

40 Jaromír Pečírka, Prager Ausstellungen. Metznerbund, Prager Presse VII, 1927, 20. 11., S. 10.

41 Otto Kletzl, Ausstellung der Oktobergruppe in Prag, Deutsche Arbeit XXVI, 1926, Nr. 3, S. 83–84.

42 Die dritte Ausstellung der Oktobergruppe, Reichenberger Zeitung LXVII, 1926, Nr. 256, 31. 10., S. 7.

43 Universitätsarchiv der Akademie der bildenden Künste Wien, Archivkörper: Schülerbogen Nr. 1151N Erwin Müller.

44 Die Ausstellung fand von 7. August bis 5. September 1921 in den Räumen der Metznerbundhalle statt, mehr dazu O. Fürstenau, II. Kreisgruppenausstellung des Metznerbundes, Reichenberger Zeitung LXII, 1921, Nr. 190, 14. 8., S. 6, „... mit einer sonderlichen Neigung zu den asketischen Reizen der altertümlichen Malerei.

45 Josef Syrowatka, Ausstellung der Oktobergruppe junger Maler, Reichenberger Zeitung LXIII, 1922, Nr. 243, 15. 10., S. 6.

46 Ladislav Daněk (Hg.), Vzplanutí. Expresionistické tendence ve Střední Evropě 1903–1936. Sbírka Galerie Ztichlá klika, Praha (Ausstellungskatalog), Muzeum umění Olomouc 2008, Kat. Nr. 137, S. 128–129.

47 Paul Westheim, Ein neuer Naturalismus? Eine Rundfrage des Kunstblattes, Das Kunstblatt VI, September 1922, Nr. 9, S. 369–414. Die terminologische Diskussion dauert bis heute an; die einzelnen Realismen der 1920er Jahre werden unter dem Begriff Neue Sachlichkeit vereinigt.

48 „Neue Sachlichkeit“. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus (Ausstellungskatalog), Städtische Kunsthalle Mannheim 1925.

49 Wieland Schmied, Die Zwischenkriegszeit, in: idem (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in Österreich VI, 20. Jahrhundert, München – London – New York – Wien 2002, S. 68–104, S. 84ff.

50 Archiv der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Bestand Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen, Karton Nr. 34, Korrespondenz von Erwin Müller.

51 Clément Morro, Peintres et Graveurs vus aux récentes Expositions. Exposition Internationale des Beaux-Arts de Venise, La Revue Moderne illustrée des Arts et de la Vie XXVI, 1926, Nr. 16, 30. 8., S. 8–12, Zitat S. 11.

52 Kletzl (wie Anm. 41).

53 Fritz Lehmann, Bei „Manes“ zu Gaste, Prager Tagblatt LII, 1927, Nr. 266, 10. 11., S. 6.

54 Sudetendeutsche Kunstausstellung (Ausstellungskatalog), Bund der Deutschen 1937, Reichenberg 1937.

55 Kunst und Handwerk. Sudetendeutsche Monatsschrift für Malerei, Bildhauerei, Graphik, Architektur, Stadtbaukunst, Gartenkunst, Volkskunst, Kunsthandwerk, Gebrauchsgraphik, Reichenberg 1938.

56 Ibidem, S. 6.

57 Staatskreisarchiv Liberec, Bestand MěNV Liberec, Inv. Nr. 271, Karton Nr. 188, Metznerbund – Eigentums- und Finanzverzeichnis.

58 Staatskreisarchiv Liberec, Bestand Oblastní sběrné středisko Liberec, Kartei Nr. 1.

59 Stadtarchiv Naumburg, Kontrollbogen des Antifaschistischen Blockes Erwin Müller.

60 Pfahl, Geglückte Harmonie zwischen Schöpfer und Schöpfung. Der Maler und Graphiker Erwin Müller, Liberal-demokratische Zeitung Halle XII, 1956, 1. 8., S. 8.

61 Kunstschau Sudetenland, Geisteserbe des deutschen Ostens (Ausstellungskatalog), München 1951, Veranstalter war Adalbert Stifter Verein und die Ausstellung fand in den Räumen des Berufsverbandes der bildender Künstler München in Maxmilianstrasse 25.

62 Staatskreisarchiv Liberec, Bestand Beran Jaro, akademischer Maler, Liberec.

63 Siehe Rousová (wie Anm. 7), Kat. Nr. 89–93.

64 Rousová Hana, Příběh výstavy, in: eadem (wie Anm. 7), S. 8–9.

65 Das Bild wurde unter dem Namen Mädchen im Dachstübel auf der Zweiten internationalen Ausstellung in Karlsbad von 29. 7. bis 30. 9. 1931. ausgestellt. 2. internationale Kunstausstellung Karlsbad (Ausstellungskatalog), Karlsbad 1931, S. 10, Kat. Nr. 117.

66 Marie Rakušanová, Bytosti odnikud. Metamorfózy akademických principů v malbě první poloviny 20. století v Čechách (Ausstellungskatalog), Academia Praha 2008, S. 218–219, Kat. Nr. 189, 190.

67 Daněk (wie Anm. Chyba: zdroj odkazu nenalezen), Kat. Nr. 137–138.

68 Die Autorin begrüßt jede Information zu Autoren und Werken der deutsch-böhmischen Bildkunst des beobachteten Zeitraumes (anna.habanova@centrum.cz, www.nemeckoceskeumeni.cz).

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